User Online: 24 | Timeout: 07:37Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | BNE OS e.V.  | Info | Auswahl | Logout | AAA  Mobil →
BNELIT - Datenbank zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: wissenschaftliche Literatur und Materialien
Bildung für nachhaltige Entwicklung: wiss. Literatur und Materialien (BNELIT)
Datensätze des Ergebnisses:
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen
1. Zeitschriftenausgabe
(Korrektur)Anmerkung zu einem Objekt von BNE-LITERATUR per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!) in den Download Korb (max. 50)!
zus. bet. Pers.:
 
zus. bet. Körpersch.:
zus. bet. Körpersch. Kürzel:
Untertitel/Zusätze:
Langfristige Veränderung von Flora, Vegetation und Avifauna am Beispiel des Ochsenmoores in der Dümmerniederung.
Zeitschrift/Zeitung:
Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen
Z-Jahrgang:
32
Z-Heftnummer/-bez.:
4
Themenschwerpunkt:
Erfolgreiche Feuchtgründlandentwicklung durch Naturschutzmaßnahmen.
Erscheinungsjahr:
ISSN:
09347135
Kurzinfo:
Zusammenfassung
Nach etwa 35-jähriger Melioration sind in den letzten 25 Jahren in der Dümmerniederung insgesamt 2.500 ha Wirtschaftsgrünland bzw. zwischenzeitlich als Acker genutzte Niedermoorflächen in Extensivgrünland zurückgeführt und, über Stauwehre regelbar, gesteuert wiedervernässt worden. Vernässungs- und Bewirtschaftungsregime sind insbesondere eng an die Erfordernisse des Wiesenvogelschutzes, außerdem an die Entwicklung artenreichen Feuchtgrünlandes angepasst. Im Ochsenmoor südlich des Dümmers wurden die Maßnahmen auf etwa 1.000 ha deutlich früher abgeschlossen als in der westlichen Dümmerniederung und dabei langfristig dokumentiert. Das Ochsenmoor steht somit beispielhaft für die Untersuchung mittel- bis langfristiger Entwicklungen von Naturschutzmaßnahmen im Feuchtgrünland auf degenerierten Niedermoorstandorten. Der Ausgangszustand der Vegetation wenige Jahre vor den tiefgreifenden Meliorationsmaßnahmen Anfang der 1950er Jahre ist ebenso dokumentiert wie die Entwicklungen ab Ende der 1980er Jahre von zumeist intensiv genutzten und artenarmen Niedermoorgrünländern unter der Wirkung nachfolgender Aushagerung und Wiedervernässung. Hinzu kommen Dauerflächenuntersuchungen sowie flächendeckende Erfassungen von Rote- Liste- und Zeigerarten seit Mitte der 1990er Jahre.

Nach der Melioration sind bis Ende der 1980er Jahre 20 Vogelarten als Brutvogel verschwunden; von diesen sind seit Beginn der Naturschutzmaßnahmen 14 als Brutvögel zurückgekehrt. Die Brutbestände der Wiesenlimikolen wie auch deren Bruterfolge entwickeln sich positiv, so hat sich der Brutbestand der Uferschnepfe nach drastischem Rückgang wieder verdreifacht. Starke Zunahmen ergeben sich auch im Auftreten von Rastvögeln.

Die im Gebiet um 1950 großflächig ausgebildeten Sumpfdotterblumen- und Hundsstraußgraswiesen gingen bis Ende der 1980er Jahre sehr stark zurück, Pfeifengraswiesen und Borstgrasrasen verschwanden ganz. Infolge der ab dieser Zeit eingeleiteten Naturschutzmaßnahmen sind Äcker, Grünlandneueinsaaten und Queckenrasen wieder verschwunden. In erheblichem Umfang breiteten sich Flutrasen aus, daneben aber auch Schlankseggenriede. Rohrglanzgras- und Wasserschwadenröhrichte nahmen zwischenzeitlich deutlich zu, verschwanden aber durch Aushagerung wieder weitgehend. Sumpfdotterblumenwiesen konnten sich zwar aus verschiedenen Grünlandgesellschaften rückentwickeln, verschwanden aber andererseits durch sehr langen Überstau wie auch aus der nicht aktiv vernässten Randzone.

Mit fortgeschrittener Aushagerung, die vielfach bereits das Magerrasenniveau erreicht hat, haben kleinseggenreiche Hundsstraußgraswiesen wieder erheblich zugenommen. Historische Standortunterschiede, die sich an der Vegetationskarte von 1947/48 ablesen lassen, zeigen trotz tiefgreifender Melioration und jahrzehntelanger Intensivnutzung starke Einflüsse auf aktuelle bodenchemische Parameter und erklären die räumliche Ausbreitung einzelner Zielarten, allerdings weniger die Vegetationsentwicklung auf Gesellschaftsniveau.

Nahezu alle heute in der „Roten Liste" Niedersachsens geführten Gefäßpflanzenarten, die im Ochsenmoor ab 1987 nachgewiesen wurden, sowie weitere Zeigerarten, die gemeinsam gleichzeitig als Zielarten des Naturschutzes gewertet werden können, zeigen eine starke Ausbreitung im Gebiet. Einzelne hochgradig gefährdete, großräumig verschollene Arten haben sich vereinzelt wieder etabliert. Das Auftreten der Zielarten ist vielfach mit zunehmender Aushagerung und Vernässung sowie der Extensivierungsdauer in Beziehung zu setzen.

Hinsichtlich der Grünlandbewirtschaftung unter naturschutzkonformen Bedingungen kommt der aktuellen Ausgestaltung der Nutzungsart überwiegend nur eine untergeordnete Rolle zu. Vorgezogene Schnitttermine, Mähweidenutzung und einzelne Nutzungswechsel limitieren den Regenerationserfolg nicht generell und waren phasenweise Voraussetzung für die notwendige Aushagerung. Einzelne gefährdete Arten des nährstoffreicheren Feuchtgrünlandes zeigen neuerdings wieder Rückgangstendenzen, die mit starker Aushagerung in Verbindung gebracht werden können.

Als „Problemart" für die Grünlandbewirtschaftung ist insbesondere die Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) zu nennen, die sich vor allem auf den stark vererdeten bis vermulmten Standorten großflächig mit Dominanzbeständen etabliert hat. Diese sind besonders in lang anhaltend überstauten Bereichen teilweise wieder verschwunden, die Art geht neuerdings insgesamt wieder zurück. In Teilbereichen problematisch sind außerdem Flatter-Binse (Juncus effusus) sowie die Giftpflanze Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre).

Der Artenreichtum nimmt mit zunehmender Extensivierungsdauer langfristig zu. Pedogen sehr stark veränderte Standorte mit vermulmten Torfen weisen insgesamt geringere Artenzahlen in der aktuellen Vegetation auf.

Als wesentliche Erfolgsfaktoren sind eine großräumige und konsequente, der allgemeinen Eutrophierung entscheidend entgegenwirkende Aushagerung mit regelmäßiger Nutzung und eine großflächige, regelbare Vernässung zu benennen. Diese Naturschutzmaßnahmen waren durch Langfristigkeit, Konsequenz und gezielte Betreuung vor Ort geprägt und damit erfolgreich. Wichtige standörtliche Voraussetzung waren die mäßig bis stark vererdeten, aber überwiegend noch nicht vermulmten Niedermoorböden mit Restflächen artenreichen Feuchtgrünlandes und Refugialstandorten an Grabenrändern. Auf diesen war innerhalb von etwa 15 Jahren teils eine Regeneration, d.h. eine Wiederherstellung solcher Vegetationsbestände, mindestens aber eine Restitution (d.h. eine Annäherung an naturnähere Zustände) feuchter, nicht mehr ausgesprochen artenarmer Grünlandgesellschaften sowie eine Wiederbesiedlung und Ausbreitung durch teils gefährdete Feuchte- und Magerkeitszeiger möglich. Weitere Arten konnten sich offensichtlich durch Fernausbreitungsprozesse wieder etablieren.
Inhaltsverzeichnis :
Inhalt

1 Einleitung
2 Das Untersuchungsgebiet
2.1 Geographische Lage
2.2 Geologie, Böden und Hydrologie
2.3 Klima und Witterung
2.4 Naturschutzaktivitäten sowie historische vegetationskundliche Untersuchungen
2.5 Entwicklung der Brut- und Gastvogelbestände
2.5.1 Brutvögel
2.5.2 Gastvögel
3 Material und Methoden
3.1 Kartierungen der Flora und Vegetation
3.1.1 Pflanzensoziologische Kartierungen
3.1.2 Dauerbeobachtungsflächen
3.1.3 Flächendeckende Erfassung von Rote-Liste- und Zeigerarten
3.1.4 Bestandszählungen der Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
3.1.5 Flächendeckende Erfassung von „Problemarten"
3.1.6 Zeigerwertberechnungen
3.1.7 Nomenklatur der Pflanzenarten, bestimmungskritische Sippen
3.2 Bodenkundliche und hydrologische Untersuchungen
3.2.1 Bodenkundliche Kartierung
3.2.2 Bodenchemische Untersuchungen
3.2.3 Hydrologische Erhebungen
3.3 Flächennutzung
3.4 Statistische Testverfahren
4 Die Böden des Untersuchungsgebietes
4.1 Moorstratigraphie, Moormächtigkeiten und sekundäre pedogene Prozesse
4.2 Bodenchemische Kennwerte
4.2.1 Lufa-Proben an den DBF 1999-2008 und eigene Untersuchungen 2008
4.2.2 Aktuelle Standortbedingungen 2008 in Relation zur Vegetationszonierung 1947/48
5 Hydrologie
5.1 Vernässungszonen
5.2 Grundwasserganglinien
5.3 Grabenwasserstände
5.4 Zusammenfassende Diskussion
6 Nutzung
6.1 Ackernutzung seit 1980
6.2 Entwicklung der Grünlandnutzung
6.3 Zusammenfassende Diskussion
7 Pflanzengesellschaften: Flächenbilanzen und Veränderungen über 60 Jahre
7.1 Räumliche Verteilung und Flächenbilanz der Pflanzengesellschaften 1947/48-2008
7.2 Konstanz und Dynamik der Pflanzengesellschaften 1987-2008
7.2.1 Gesamtbilanz
7.2.2 Entwicklungen ausgewählter Pflanzengesellschaften
7.3 Charakterisierung der Vegetation und Quantifizierung von Veränderungen anhand von mittleren Zeigerwerten 2000 und 2008
7.4 Zusammenfassende Diskussion
8 Vegetationsentwicklung in Dauerbeobachtungsflächen
8.1 Auswertung nach Zeigerwerten, Artenzahlen
8.2 Veränderungen einzelner Arten
9 Aktueller Artenreichtum: Einflüsse von Umweltfaktoren und Nutzungshistorie
9.1 Ermittlung von Einflussgrößen
9.2 Diskussion
10 Verbreitung und Bestandsveränderungen von Rote-Liste- und Zeigerarten 1987-2008
10.1 Überblick über die Vorkommen im Grünland
10.2 Vorkommen von Rote-Liste-Arten außerhalb des Grünlandes
10.3 Entwicklung ausgewählter Arten
10.4 Generelle Entwicklung des Artenkollektivs Rote-Liste- und Zeigerarten
10.5 „Problemarten" für die Grünlandbewirtschaftung
11 Fazit und Ausblick
12 Zusammenfassung
13 Summary
14 Danksagung
15 Literatur