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BNELIT - Datenbank zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: wissenschaftliche Literatur und Materialien
Bildung für nachhaltige Entwicklung: wiss. Literatur und Materialien (BNELIT)
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1. Zeitschriftenausgabe
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zus. bet. Pers.:
Untertitel/Zusätze:
Historie und Perspektiven.
Zeitschrift/Zeitung:
Widerstreit-Sachunterricht.
Z-Heftnummer/-bez.:
1. Beiheft
Themenschwerpunkt:
Interkulturelles lernen im Sachunterricht.
Erscheinungsjahr:
Kurzinfo:
„Wir werden niemals mehr mit Ja oder Nein auf Fragen der Zugehörigkeit antworten. Drinnen oder draußen? Zwischen Ja und Nein, zwischen Null und Eins erscheinen unendlich viele Werte und damit unendlich viele Antworten. Die Mathematiker nennen diese neue Strenge unscharf, unscharfe Untermengen, unscharfe Topologie. Den Mathematikern sei dank: wir hatten dieses Unscharf schon seit Jahrtausenden nötig. Solange es bevorstand, machten unsere starre Logik und unsere grobschlächtigen Begriffe den Eindruck, als spielte man mit Boxhandschuhen Klavier. Nun endlich verfeinern und vervielfältigen sich unsere Mittel. Von daher ist mein Buch rigoros unscharf. Die Geometrie hat ihren Frieden mit der Freiheit geschlossen.″ (Serres 1987, S. 89)

Der Titel der vorliegenden Arbeit, „Interkulturelles Lernen im Sachunterricht – Historie und Perspektiven″, verweist knapp und prägnant darauf, dass in historischer Perspektive Konzeptionen eines Lernens an und über Kultur im Sachunterricht nachgezeichnet und eine weiterführende Perspektive aufgezeigt werden soll.
Für diese Rekonstruktion werden auch andere Diskurse als der fachdidaktische einbezogen.
In der Auseinandersetzung mit den Bearbeitungsmustern, die die Fachdidaktik in Reaktion auf die kulturelle Pluralisierung der Schülerschaft konzipierte, wurde schnell deutlich, dass eine solche Einbeziehung benachbarter Disziplinen nahezu unumgänglich ist, denn der sachunterrichtliche Diskurs um kulturelle Pluralität zeichnet sich aus durch zahlreiche Anleihen, vor allem aus den Allgemeinen Erziehungswissenschaften.
Der erste Teil der Arbeit skizziert den Verlauf der Diskussion um Erziehung und Migration in der Allgemeinen Erziehungswissenschaft. Zur Strukturierung der Darstellung werden dabei mit der „Ausländerpädagogik″, der „Kritik an der Ausländerpädagogik″ und der „Interkulturellen Pädagogik″ drei prägnante Phasen der Theoriebildung differenziert. Dieses Kapitel zeigt die Genese zentraler Begriffe und Konzeptionen in der Debatte um Erziehung und Migration auf, die auch von der Fachdidaktik des Sachunterrichts aufgegriffen wurden. Ihm kommt somit im Rahmen der Arbeit vor allem eine Orientierungsfunktion zu.
Das dritte Kapitel fokussiert den fachdidaktischen Diskurs des Sachunterrichts zur Thematik und zeigt auf, welche Aspekte aus der Allgemeinen Erziehungswissenschaft in den fachdidaktischen Diskurs transponiert wurden und welche ausgeblendet blieben. Die fachdidaktische Analyse wird anhand prominenter Termini, die den Sachunterrichtsdiskurs der vergangenen Jahre prägten, strukturiert. Unterschieden werden die Phasen „Heimatkunde″, „wissenschaftsorientierter Sachunterricht″,„lebensweltorientierter Sachunterricht″ und „neuere heimatkundliche Ansätze″. Entlang dieser Phasen der Theoriebildung werden unterschiedliche Modi des fachdidaktischen Umgangs mit kultureller Pluralität nachgezeichnet. In dieser Betrachtung stellt sich insbesondere die mangelnde Reflexion, der in Konzepten eines Lernens an und über Kultur zugrunde gelegten Prämissen, insbesondere des Kulturbegriffs, als Defizit der fachdidaktischen Auseinandersetzung dar.
Dieses Defizit wird im vierten Kapitel der Arbeit, das eine weiterführende Perspektive für ein Lernen an und über Kulturen für den Sachunterricht aufzeigt, thematisch.
Das Kapitel stellt Bezüge zu erkenntnistheoretischen und kulturtheoretischen Diskursen her und diskutiert Kulturbegriffe als wirkmächtige Begriffe. Vor diesem Hintergrund werden Aspekte der im zweiten Teil der Arbeit ermittelten diskursanalytischen Defizite der fachdidaktischen Auseinandersetzung mit kultureller Pluralisierung, nochmals aufgegriffen und kritisch reflektiert. Insbesondere die in didaktischen Entwürfen zu einem Lernen an und über Kulturen zugrunde gelegten Prämissen, wie etwa die der stringenten Polarität von „Eigenem″ und „Fremdem″, erweisen sich in dieser Betrachtung als problematisch.
Im Anschluss daran wird unter Bezugnahme auf die Schriften von Wolfgang Welsch ein aktuelles kulturtheoretisches Konzept, das Konzept der Transkulturalität, skizziert und im Hinblick darauf befragt, wie sich die Interaktion differenter Kulturen bzw. kulturelle Differenz im Lichte dieses Konzepts darstellt. Im Zentrum der Betrachtung steht dabei die Frage, welche Perspektiven für ein Lernen an und über Kultur dieses Konzept bietet.
Zum Abschluss der Arbeit, wird basierend auf Welschs kulturtheoretischen und erkenntnistheoretischen Überlegungen, das Konzept eines Lernens konturiert, das auf einen kompetenten Umgang mit Pluralität – nicht mehr nur im Hinblick auf die Anwesenheit verschiedener Ethnien in Gesellschaft und Schulklassen – zielt und diskutiert, ob der Sachunterricht aufgrund seiner fachspezifischen Kontur potentiell einen Beitrag zu einem solchen Lernen leisten könnte.
Zentrale Bereiche dieser Arbeit bestehen in der Rekonstruktion des fachdidaktischen und des erziehungswissenschaftlichen Diskurses um Erziehung und Migration. Solche Unterfangen stellen immer das Bemühen dar, eine Praxis, die unter bestimmten Bedingungen mehr oder weniger unsystematisch entstand, in Form einer Retrospektive zu systematisieren und zu reflektieren. Insofern handelt es sich stets um einen methodisierten Versuch einer Bilanz, der die tatsächliche Praxis verkürzt und lediglich schematisch erfasst. Die hier gezeichneten Verläufe der erziehungswissenschaftlichen und der fachdidaktischen Auseinandersetzung mit kultureller Pluralität sind folglich kein Abbild der Diskussionsverläufe, sondern lediglich ein möglicher Rekonstruktionsversuch.
Ich hoffe, die zentralen Begriffe und Konzeptionen scharf herausgestellt und dennoch einen – im Sinne Serres – „unscharfen″ Text verfasst zu haben, der zur Reflexion über „grobschlächtige″ Begriffe und deren unreflektierte Tradierung anregt und mit dem perspektivischen Ausblick einen Ausschnitt der Freiheit andeutet, die sich ergeben könnte, wenn die Boxhandschuhe einmal abgelegt werden.
Inhaltsverzeichnis :
Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Ausländerpädagogik und Interkulturelle Pädagogik
2.1 Ein „Problem″ entsteht – die kulturelle Pluralisierung der Gesellschaft als Folge der Arbeitsmigration
2.2 Die Ausländerpädagogik – eine „Sonderpädagogik″ als pragmatische „Nothilfe″
2.3 Kritik an der Ausländerpädagogik – Reflexion der bisherigen Praktiken
2.4 Interkulturelle Pädagogik – ein neuer Anfang
2.5 Zusammenfassung: Vom Defizit zur Differenz – Kultur als zentraler Diskursgegenstand

3 Der Diskurs um Erziehung und Migration in der Fachdidaktik des Sachunterrichts
3.1 Die Heimatkunde und das „Fremde″
3.1.1 Die Heimatkunde in der Weimarer Republik – volkstümliche Bildung für deutsche Kinder
3.1.2 Die Heimatkunde im Nationalsozialismus – Instrumentalisierung im Dienst des Systems
3.1.3 Heimatkunde nach 1945 – Ignoranz trotz erster Integrationsaufgaben
3.2 Kulturelle Pluralisierung als Diskursgegenstand unter dem Primat der Wissenschaftsorientierung
3.2.1 Von der Heimatkunde zur Wissenschaftsorientierung – über Ignoranz(en) im Fortschritts- und Wissenschaftseuphorismus der frühen 1970er Jahre
3.2.2 Erste kompensatorische Förderkonzepte – Anleihen aus der Ausländerpädagogik
3.2.3 Sachunterricht über „Ausländerthemen″ – Versuche das „Fremde″ eindeutig zu machen
3.2.4 Eine erste Phase der Revision – fachdidaktische Kritik an ausländerpädagogischen Konzepten
3.3 Kulturelle Pluralisierung als Diskursgegenstand unter dem Primat der Lebensweltorientierung
3.3.1 Exkurs: Der Lebensweltbegriff im Sachunterricht – über Zeitlosigkeit, Unschärfen und Widersprüche
3.3.2 Der Lebensweltbegriff im Horizont der fachdidaktischen Debatte um Erziehung und Migration – Anleihen aus der Interkulturellen Pädagogik
3.4 Kulturelle Pluralisierung als Diskursgegenstand in neueren heimatkundlichen Ansätzen
3.4.1 Heimat als Kompensation – (H)Ort der Hoffnung nach Sicherheit und Identität in einer pluralen Welt
3.4.2 Plurale Heimat(en) als Reflexionsgegenstand über „Eigenes″ und „Fremdes″
3.4.3 Kulturelle Pluralisierung im Diskurs um eine „neue″ Heimatkunde – zwischen der Hoffnung auf eine „Insel der Vertrautheit″ und „interkultureller Grenzgängerei″
3.5 Zusammenschau: Der Diskurs um Erziehung und Migration im Sachunterricht im Überblick – von der volkstümlichen Bildung für deutsche Kinder zur interkulturellen Erziehung

4 Kulturbegriffskritische Reflexionen und eine „transkulturelle″ Perspektive für ein Lernen in einer pluralen Welt
4.1 Kulturbegriffe als Wirkfaktoren in unserem Kulturleben
4.1.1 Der „traditionelle″ Kulturbegriff – die Vorstellung von Kulturen als Kugeln
4.1.2 Die Interaktion der Kulturen im Lichte des „traditionellen″ Kulturdenkens – oder über Kugeln, die sich stoßen
4.1.3 Wider die separierende Konzeption der Kultur
4.1.4 Netze statt Kugeln – Welschs Konzept der „Transkulturalität″
4.1.5 Die Interaktion der Kulturen im Lichte des Konzepts der „Transkulturalität″
4.1.6 Transkulturelle Kompetenz als Pluralitätskompetenz – ein Orientierungsund Entscheidungsvermögen in einer pluralen Welt
4.2 Der Sachunterricht als ein Ort „transkulturellen″ Lernens

5 Literatur
6 Anhang: Bibliographie zum „Interkulturellen Lernen″ im Sachunterricht
Original-Quelle (URL):
Datum des Zugriffs:
28.04.2014