Quelle:.fachportal-paedagogik.de Abstract: "Studien zur Schwereeinschätzung von Delikten können auf eine lange Forschungstradition zurückblicken, die - beginnend mit der 'Pionierarbeit' von Sellin und Wolfgang aus dem Jahr 1964 - immer wieder die Frage nach einem Konsens in der Bevölkerung bezüglich Einschätzung des Unrechtsgehaltes strafrechtlich relevanter Verhaltensweisen und des zu verhängenden Strafmaßes stellte. Die Thematik erlangt gerade in jüngster Zeit durch gesellschaftspolitische Veränderungen neue und bedeutende Aktualität. Das Strafrecht ist in seiner Ausgestaltung eng mit Tradition und 'Wertbewusstsein' einer Gesellschaft verwoben. Der fortschreitende Prozess der Internationalisierung und Globalisierung der Gesellschaftsverhältnisse wird zwangsläufig auch die Problemkreise für die Strafrechtswissenschaft und -praxis erweitern. Eine Durchdringung von Strafrechtsnormen und sozialen Normen wird aufgrund des erweiterten Prozesses der Auflösung staatlicher Grenzen und die dadurch möglich gemachte Migration nicht lange nur Zukunftsmusik bleiben. Im kriminologischen und strafrechtstheoretischen Bereich können interkulturell übereinstimmende Bewertungen von strafrechtlich relevantem Verhalten die Perspektive auf eine normative Zusammenführung strafrechtlicher Tatbestände und Strafrahmen eröffnen. Der vorliegende Band der 'Kölner Schriftenreihe' bildet den Abschlußbericht einer empirischen Studie, die im Rahmen eines umfangreichen Forschungsprojektes der Kriminologischen Forschungsstelle der Universität zu Köln durchgeführt wurde, und vor dem Hintergrund des fortschreitenden europäischen Integrationsprozesses und einer zunehmenden zwischenstaatlichen Zusammenarbeit auf kriminal- und rechtspolitischen Gebieten zu sehen ist. Das Augenmerk richtet sich hierbei intensiv auf den Vergleich der Schwereeinschätzung von deutschen und türkischen Studierenden der Rechtswissenschaft. Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Studierenden der Rechtswissenschaft heute noch auf den Universitätsbänken sitzen, morgen aber schon Recht anwenden, auslegen und gegebenenfalls selbst Strafrechtsnormen mitgestalten werden. Da zum einen die Türkei schon lange Zeit eine Annäherung an Europa anstrebt, zum anderen auch schon eine große Anzahl an türkischen Migranten, z.T. schon der zweiten und dritten Generation, in Deutschland lebt, ist der Vergleich von interkultureller Brisanz. Dem Annäherungs- und Integrationsprozess der Schwereeinschätzung der Angehörigen dieser zwei kulturell und religiös höchst unterschiedlich geprägten Länder wird in der vorliegenden Studie besonderes Gewicht beigemessen." (Textauszug). Die Untersuchung enthält quantitative Daten.
Inhaltsverzeichnis :
Inhaltsverzeichnis: Gliederung Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen Verzeichnis der Tabellen und Schaubilder im Anhang A. EINLEITUNG 1 B. THEORETISCHER TEIL I. Rechtstheoretische und rechtspolitische Bedeutung von 1. Kontroverse von Konsens- und Konflikttheorie a) Konsenstheorie b) Konflikttheorie 2. Neukriminalisierung und Entkriminalisierung 3. Generalpräventive Wirkung strafrechtlicher Normen und Effektivität des Rechtes 4. Kriminalstatistische Aussagekraft 5. Anzeigebereitschaft, Dunkelfeld (insbesondere Dunkelfeldforschung) 6. Resozialisierung II. Bisherige Studien zur Schwereeinschätzung 1. Die Studie von Sellin und Wolfgang - Kritische Einwände 2. Nachfolgestudien a) Replikationsstudien aa) Akman und Normandeau bb) Normandeau cc)Hsu dd) Schindhelm b) weitere Studien mit interkulturellem Ansatz aa) Scott und Al-Thakeb bb) Evans und Scott cc) Walter, Pitsela und Brand c) Nachfolgestudien mit erweiterter Fragestellung aa) Velez-Diaz und Megargee bb)Figlio cc) Rossi, Wake, Böse und Berk dd)Villmow ee) Westermann und Hager d) weitere Studien und Forschungsansätze aa) von Oppeln-Bronikowski - Engler bb) Kaupen, Volks und Werle cc)Mäkelä dd) Streng 3. Zusammenfassung und kritische Würdigung III. Bedeutung kultureller Einflösse 1. Zentrale Werte der türkischen Kultur 2. Bedeutung des islamischen Glaubens a) Bedeutung in der Türkei b) Bedeutung für die Türken in Deutschland 3. Der traditionell-türkische Einfluß der Familie a) in der Türkei b) in Deutschland 4. Exkurs: Das Türkische Strafgesetzbuch C. FORMULIERUNG DER HYPOTHESEN D. ANLAGE UND METHODE DER UNTERSUCHUNG I. Fragestellung II. Erhebungsmethode und Erhebungsinstrument 1. Erhebungsmethode: standardisierte schriftliche Befragung 2. Erhebungsinstrument a) Gestaltung des Anschreibens b) Gestaltung des Fragebogens -Pretest 1. Grundgesamtheit 2. Stichprobe - Ethnische Herkunft IV. Durchführung der Untersuchung E. STICHPROBENANALYSE I. Soziodemographischc Daten 1. Geschlecht 2. Alter 3. Studienfachsemester 4. Familienstand 5. Wohnsituation 6. Konfession 7. Dienstbezogene Vorerfahrungen 8. Berufsbezogene Vorerfahrungen 9. Interesse für das Rechtsgebiet Strafrecht II. Besondere Statusangaben der türkischen Studenten in Deutschland 1. Staatsangehörigkeit 2. Jahre in Deutschland F. ANALYSE DER DATEN UND ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESEN I. Schwereeinschätzung aller Delikte im Vergleich 1. Vergleich der Häufigkeitsverteilungen 2. Vergleich der Rangordnungen a) Rangordnung der deutschen Studenten b) Differenzen im Rang c) Mittelwertsdifferenzen d) Signifikante Mittelwertsunterschiede e) Signifikante Mittelwertsunterschiede im Mehrfachvergleich II. Schwereeinschätzung in Abhängigkeit von soziodemographischen 1. Geschlechtsspezifische Bewertungsunterschiede a) Gesamtwert aller 21 Delikte b) Bewertungsunterschiede bei einzelnen Delikten aa) Geschlechtsspezifisch strengere Bewertung durch Frauen bb) Geschlechtsspezifisch mildere Bewertung durch Frauen -Zusammenfassung 2. Altersabhängige Bewertungsunterschiede a) Gesamtwert aller 21 Delikte b) Bewertungsunterschiede bei einzelnen Delikten 3. Geschlechtsspezifische Bewertungsunterschiede in Abhängigkeit von dem Alter a) Gesamtwert aller 21 Delikte b) Bewertungsunterschiede bei einzelnen Delikten aa) Geschlechtsspezifisch strengere Bewertung durch Frauen bb) Geschlechtsspezifisch mildere Bewertung durch Frauen -Zusammenfassung 4. Zusammenfassung III. Deliktsgruppenspezifischer Vergleich 1. Deliktsgruppenbildung a) Delikte mit erheblichen Folgen für das Opfer b) Vermögensdelikte mit einem persönlichen Opfer c) Delikte, die Institutionen, Firmen oder die Allgemeinheit schädigen d) Sonstige (individuelle) Verletzungshandlungen 2. Delikte mit erheblichen Folgen für das Opfer a) Delikte mit sexuellem Bezug aa) Gesamtvergleich bb) Einfluß des Geschlechtes cc) Einfluß des Alters dd) Einfluß des Geschlechtes in den Altersgruppen - Zusammenfassung b) Sonstige Delikte mit erheblichen Folgen für das Opfer aa) Gesamtvergleich bb) Einfluß des Geschlechtes cc) Einfluß des Alters dd) Einfluß des Geschlechtes in den Altersgruppen -Zusammenfassung 3. Vermögensdelikte mit einem persönlichen Opfer a) Gesamtvergleich b) Einfluß des Geschlechtes c) Einfluß des Alters d) Einfluß des Geschlechtes in den Altersgruppen -Zusammenfassung 4. Delikte, die Institutionen, Firmen und die Allgemeinheit schädigen a) Gesamtvergleich b) Einfluß des Geschlechtes c) Einfluß des Alters d) Einfluß des Geschlechtes in den Altersgruppen - Zusammenfassung 5. Sonstige (individuelle) Verletzungshandlungen a) Gesamtvergleich b) Einfluß des Geschlechtes c) Einfluß des Alters d) Einfluß des Geschlechtes in den Altersgruppen -Zusammenfassung 6. Zusammenfassung der Befunde der deliktsgruppenspezifischen Analyse a) Deutsche und deutsch/türkische Studenten im Vergleich b) Deutsche und türkische Studenten im Vergleich c) Deutsch/türkische und türkische Studenten im Vergleich IV. Faktorenanalyse der Deliktseinschätzungen 1. Verfahren 2. Darstellung der rotierten Faktorenmatrix 3. Benennung und Interpretation der Faktoren 4. Kulturell- und nationalitäten-bezogene Unterschiede in einem korrigierten Modell G. INTERPRETATION DER ERGEBNISSE H. ZUSAMMENFASSUNG UND RECHTSPOLITISCHER AUSBLICK Literaturverzeichnis Anhang