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BNELIT - Datenbank zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: wissenschaftliche Literatur und Materialien
Bildung für nachhaltige Entwicklung: wiss. Literatur und Materialien (BNELIT)
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1. Verfasserwerk
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Verfasser/-in:
Hauptsachtitel:
Die Globalisierung und ihre Gegner.
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsjahr:
ISBN:
3406476279
 
9783406476273
Titelbild:
Kleinbild
Kurzinfo:
Rezension:
Claus Leggewie gehört zu den produktiven Politikwissenschaftlern in Deutschland: ein origineller Kopf, der dazu auch noch gut schreiben kann. Wie nur wenige andere verbindet er das Engagement des Zeitgenossen mit der Distanz des Wissenschaftlers. So ist sein neues Buch, vor dem 11. September begonnen und dann in den Stürmen der Zeit immer wieder umgeschrieben, weit mehr geworden als der ursprünglich geplante Beitrag zur Fachdiskussion über eine langsam entstehende transnationale Politik. Anzuzeigen ist vielmehr eines der wichtigsten politischen Bücher der letzten Jahre. Das eigentliche Thema, die Globalisierung und ihre Kritiker, bietet den Ausgangspunkt für eine Zeitdiagnose, welche die Hegemonie der USA ebenso erörtert wie die sozialökonomische Agenda der alten Industriegesellschaften.
Leggewie beginnt mit einer Revision der „Globalisierung, wie wir sie kannten". Damit meint er jene Vorstellung von Globalisierung, die sich auf die globale Wirtschaft und Finanzwelt beschränkt und zu dieser Form des globalen Kapitalismus keine Alternative gesehen hat. Im Unterschied dazu definiert der Autor, ähnlich wie vor ihm Anthony Giddens und Ulrich Beck, Globalisierung breiter und präziser: als ein vielschichtiges und differenziertes, politisches und kulturelles, soziales und kommunikatives Phänomen, von dem selbst die Kritiker noch ein wichtiger Teil sind. Es mache deshalb wenig Sinn, nur einfach gegen die Globalisierung zu sein. Wohl aber gebe es gute Gründe, gegen jene eindimensionale Sicht der globalen Dinge zu opponieren: „Nichts ist in Ordnung an einer Globalisierung, die so viele ausschließt und zurücklässt."
Doch bei aller Sympathie — Leggewie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac-Deutschland - werden die Vielfalt und auch die inneren Widersprüche der Globalisierungskritiker nicht verschwiegen. Unter ihnen finden sich militante Straßenkämpfer ebenso wie Reformisten und Idealisten. Protektionismus, Populismus und Pazifismus beschreibt der Autor als die drei großen Gefahren der Bewegung. Immer wieder kommt er auf deren mannigfache Demokratiedefizite zu sprechen, die umso mehr ins Auge sprängen, als sie diese ja zu Recht an der „alten' Globalisierung bemängelt habe. Es ist kritische Sympathie, die das Buch durchzieht, vor allem aber ein scharfer analytischer Blick, der die neuen Politikmuster einer transnationaler Politik gut herausarbeitet. Leggewie beschreibt die Globalisierungskritiker als eine kosmopolitische soziale Aufbruchsbewegung und die einschlägigen Nichtregierungsorganisationen als Mitregierungsorganisationen, die als Lobby und auf internationalen Konferenzen ihren Teil zu einem vernünftigeren Weltregime (good governance) beitragen.
Dieser Beitrag der NGOs dürfte künftig noch wichtiger werden als bisher. Die Problem- und Konfliktfelder der Globalisierung haben sich, wie Leggewie ausführlich darlegt, verschoben: „von der Entgrenzung der Welt auf die Endigung des Krieges, wie sie sich mit dem Auftreten terroristischer Netzwerke und der Rehabilitation völkerrechtlich gebannter Präventivkriege abzeichnet".
In dieser politischen und historischen Lage braucht es, von der scheinbar ganz kleinen Politik in der lokalen Gesellschaft bis hin zur so genannten großen Politik, die sich um regionale Integration und um die Weiterentwicklung des Völkerrechts kümmert, neue Institutionen, Formen und Methoden, um die Konflikte zu zähmen, um einen demokratischen Frieden und eine gerechte Entwicklung zu ermöglichen, die jeweils nicht auf Hegemonie oder Unterwerfung, Resignation oder Ausgrenzung beruhen.
Leggewies Buch hat das Verständnis und die Urteilskraft für wichtige Fragen der Zeit geschärft. Es gibt nicht viele Werke, von denen man das sagen kann.
WARNFRIED DETTLING (Zeit 35 (21.8. 2003)
Inhaltsverzeichnis :
Einleitung: Eine bessere Welt ist möglich

I. Kritik der Globalisierung (Wie wir sie kannten)

1. Statt Globalisierung: Die Entgrenzung der Welt

Die Welt ist keine Ware
Entgrenzung: Markenstaaten im Wettbewerb
Hybridität: Ruck-Bindungen und Kultur-Konflikte
Glokalisierung: Transnationale Öffentlichkeiten

2. Feinde, Gegner, Kritiker: Typen der Globalisierungskritik

Strange fellows: Anti-Globalisierer von rechts
Kritik der Straße: Umkehr der Beweislast
Insider-Reformismus: Der Kaiser ist nackt
Gegenfeuer: Linksintellektuelle Renaissance
Existenzialismus und Protopolitik
Die katholische Verschärfung
Fazit: Selbstkritik der Enron-Wirtschaft

II. Resistenz und Reform

3. In der Lobby und am Verhandlungstisch: Nicht-Regierungs-Organisationen

Transnationale Bürgergesellschaft?
Privatisierung der Weltpolitik
Experten und Gegen-Experten: Das Beispiel der WTO

4. Auf der Straße und im Fernsehen: Die außerparlamentarische Protestbewegung
Ein starker Auftritt...
...und die ganze Welt schaut zu
Zur Kritik der Gewalt
Action! Von der Organisation zur Kampagne
Universale Weltrepublik
... oder globaler Kirchentag?
Auf dem Weg zur transnationalen Bewegungsgesellschaft?

5. Die Transnationale: Vorreiter globaler Demokratie?

Das Demokratisierungsparadox
Der kurze Arm demokratischer Institutionen
Wege aus der Legitimationskrise

Schluss: Ein transnationaler Regimewechsel?

Zusammenfassung in sieben Thesen

Anhang
Abkürzungen
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Internet-Adressen