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BNELIT - Datenbank zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: wissenschaftliche Literatur und Materialien
Bildung für nachhaltige Entwicklung: wiss. Literatur und Materialien (BNELIT)
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1. Aufsatz in Sammelwerk (SW)
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Verfasser/-in:
Hauptsachtitel:
Homo Creator in einem schöpferischen Universum.
Untertitel/Zusätze:
Selbstorganisation als Grundlage neuer Konzepte von Natur und Gesellschaft.
In Herausgeberwerk (Quelle):
SW Herausgeber(in):
 
SW Hauptsachtitel:
Natur als Politikum.
Erscheinungsort:
Wien
Erscheinungsjahr:
Seite (von-bis):
371-392
Kurzinfo:
Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen bildet die Auffassung, daß die Kontroverse um den Naturbegriff Moment eines umfassenderen Streits zwischen wissenschafts- und technikoptimistischen und -pessimistischen Meinungen, zwischen Fortschrittsgläubigkeit und -feindlichkeit, ist, und daß dieser, ungleich früheren derartigen Auseinandersetzungen in der Geschichte der Ideen, an Tiefe gewonnen hat, nachdem historisch nacheinander unter dem Eindruck der Atombombe, industriell-agrikultureller Verwüstungen und von Hunger, Elend und Tod in den armen Teilen der Welt das Bewußtsein von der Zerstörungskraft und Störanfälligkeit der menschlichen Technosphäre, von der Empfindlichkeit und Endlichkeit der menschlichenÖko-sphäre und von der Unbeständigkeit und Unausgewogenheit der menschlichen Soziosphäre gewachsen ist. Die Existenz dieser globalen Probleme gefährdet die materielle Reproduktion der heute bestehenden Gesellschaften und verleiht dem akademischen Diskurs praktische Brisanz. Denn wenn die Probleme im Bereich der Nutzung der technischen, der natürlichen und der humanen Ressourcen einen anthropogenen Ursprung haben, sind Anstrengungen nicht von vornherein sinnlos und auch von der Wissenschaft Beiträge zu Problemlösungen oder zumindest zu Strategien für den Umgang mit den Problemen gefordert. D. h., es ist zu einem wichtigen Kriterium der Bewertung wissenschaftlicher Einsichten geworden, inwieweit sie die Begründung gesellschaftspolitischer Handlungsoptionen fördern oder hemmen, die sich auf die Bewältigung dieser Herausforderungen richten. Dementsprechend lassen sich auch die Naturbegriffe danach bewerten, ob unter ihrer Voraussetzung eine zielführendeökologische Politik implementiert* werden kann oder nicht.

Mehr noch. Ob das Fundament für eine realistische und erfolgversprechende Naturpolitik gelegt werden kann oder nicht, ist an den Naturbegriffen selber abzulesen. Weil die Herausforderungen an die Steuerung der gesellschaftlichen Systeme ihrem Wesen nach komplex und universell sind, verlangen sie bei ihrer Erfassung eine komplexe und universelle Herangehensweise. Dem einheitlichen Begreifen, das so viele der mannigfaltigen Bezüge in die Betrachtung mit einbezieht, wie nötig sind, um die Schritte ergreifen zu können, die die erwünschten Ziele realisieren, ohne daß diese von unerwünschten Nah- oder Fernwirkungen oder Früh- oder Spätfolgen konterkariert werden, steht zwar vielerorts noch die Zersplitterung in einander fremde und füreinander taube Einzelwissenschaften entgegen; aber der Drang zur Durchbrechnung der von der jeweils eigenen Disziplin gezogenen Grenzen, der Hang zur Transdisziplinarität, und die Suche nach einer gemeinsamen Basis zur Verständigung zwischen den Wissenschaftsbereichen ist unübersehbar geworden1. Auch wenn im Nachhall zeitgenössischer französischer Philosophen das postmoderne* Gerede für das gesellschaftswissenschaftliche Gebiet nach dem Scheitern einiger Entwürfe das Ende der großen Erzählungen reklamiert, steht die Überbrückung des Grabens zwischen den zwei sogenannten Kulturen Natur- und Gesellschaftswissenschaften auf der Tagesordnung. Ideelle Gebilde sind an ihrer Interkommu-nizierbarkeit zu messen, an ihrer Integrationsfähigkeit, daran, inwieweit sie die diversen Zusammenhänge der Erscheinungen universalisierbar machen, die Komplexität ineinsfassen können. Der Prüfstein des »Generalismus« als Unterschied zur Spezialisierung und zum Spezialistentum, insbesondere was die zwei Kulturen betrifft, gilt auch für die Naturbegriffe.

Im folgenden möchte ich zeigen, daß und wie ein Naturbegriff - in Absetzung von anderen Naturbegriffen, die das nicht können - möglich ist, der keinem falschen Einheitsdenken frönt, aber auch die Kluft zwischen Natur-und Gesellschaftswissenschaften nicht erneut aufreißt, und der sich zur Grundlage naturpolitischer Entscheidungen der Gegenwart eignet, der also auf die genannten innerwissenschaftlichen wie außerwissenschaftlichen Anforderungen Rücksicht nimmt. Die vorgetragenen Betrachtungen sind weniger ideologiekritisch als methodologisch und programmatisch im Charakter, da sie sich nicht mit einzelnen konkreten Naturauffassungen bestimmter wissenschaftlicher, philosophischer oder politischer Richtungen, Alltagsverständnisse oder Personen auseinandersetzen, sondern mit den ihnen allen zugrundeliegenden typischen Denkstilen. Daran anschließend will ich zum Ausgangsargument zurückkehren und die Denkfigur der Versöhnung von Natur und Gesellschaft verallgemeinernd auf die geschichtliche Situation der Hinterfragung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts selbst anwenden und in diesem Lichte für eine Neubewertung Francis BACONS votieren.