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BNELIT - Datenbank zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: wissenschaftliche Literatur und Materialien
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1. Aufsatz in Zeitschrift
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Verfasser/-in:
Hauptsachtitel:
Natur, Umwelt und Gesellschaft in der deutschen Lyrik nach 1945.
Untertitel/Zusätze:
Ein Überblick.
Zeitschrift/Zeitung:
Diskussion Deutsch
Z-Jahrgang:
13
Z-Heftnummer/-bez.:
67
Erscheinungsjahr:
Seite (von-bis):
403-424
Kurzinfo:
Exzerpt (Langos, Studentin 1992):

In diesem Artikel gibt Reus einen Überblick darüber, wie das Naturthema nach Kriegsende behandelt wird. Reus zählt viele Dichter und ihre Werke auf, die ich hier im einzelnen aber nicht behandeln werde. Untersucht man die deutschsprachige Lyrik nach 1945, so findet man zunächst das "reine" Naturgedicht, wie es schon seit der Romantik vorhanden ist. Jedoch gibt es neben diesen Gedichten auch viele andere Werke, die besonders in den 60er Jahren die Naturlyrik mehr und mehr verdrängen. Es beginnt die Zeit der sozialkritischen Lyrik.
Nach der ökologischen Krise 1970 entwickelt sich eine neue, qualitativ wie quantitativ überraschende Entfaltung von Natur bildern und - motiven. Natur, Umwelt, politisches und gesell schaftliches Bewußtsein verschmelzen zu einer neuen Kategorie "engagierter Lyrik". Typisch für die jüngere deutschsprachige Lyrik ist also die Reflexion Gesellschaft - Natur. Diese Gedichte kann man in mehrere Gruppen einteilen.
Zu der ersten Gruppe lassen sich jene lyrischen Beispiele ordnen, in denen Natur als Metapher realer politischer Phänomene nach 1945 verwandt wird. Um nur einige Autoren dieser Kategorie zu nennen: Elisabeth Langgässer, Bert Brecht, Uwe Reisner etc.. Die Themen "schwieriges Vaterland" und deutsche Teilung gehören als Frage nach der nationalen Identität und den historischen Folgen der nationalen Schuld Ang zusammen, und sie beschäftigen die Lyriker im Osten wie im Westen Deutschlands. Jedoch hat sich beiderseits der Grenze eine Lyrik entwickelt, die sich kritisch mit dem jeweils eigenen Staat auseinandersetzt.
In der DDR arbeiten viele bedeutende Lyriker mit Naturmotiven bei der sprachlichen Durchdringung gesellschaftlicher Phänomene. Kritik der DDR - Lyriker gilt den bürokratischen Auswüchsen, der Erstarrung und Verhärtung des Systems.
Wer sich der Wechselbeziehung von Natur und Gesellschaft im deutschsprachigen Gedicht widmet, wird immer wieder auf Gewalt, Krieg und Zerstörung stoßen. Die weltweite Auflehnung in den 50er und 60er Jahren gegen Atomwaffen schlägt sich auch relativ stark im Gedicht nieder. Alle Gedichte dieser Art verdeutlichen, wie sehr gerade heute Natur als bloßes Refugium unmöglich wird, wie gesellschaftliche und politische Dimensionen alle Formen von "Natürlichkeit" längst durchdrungen haben.
Natur und Krieg, Natur und Massaker - das führt uns zurück zur Frage nach historischer Schuld und Verantwortung nach 1945. Und es führt gleichzeitig weiter zu einer Gruppe von Gedichten, die grundsätzlich problematisieren, ob die Verwendung von Natur als Motiv oder als sprachlich - metaphorisches Element heute und besonders nach den Erfahrungen vor 1945 überhaupt noch statt haft ist. Diese zweite Gruppe reflektiert also die Grenzen und Möglichkeiten naturverarbeitender Lyrik unter politisch - histo rischem Aspekt: das Thema Natur wird thematisiert, darin äußert sich ihr Engagement. Das Problem, das hier entsteht ist die Frage, wie Natur noch beschrieben werden kann, wenn ihre sinn liche Wahrnehmung wieder zur Erinnerung an widernatürliche Vernichtung von Leben führt. Autoren, die sich hiermit beschäftigt haben sind u.a.: Wolfgang Weyrauch, Rainer Kirsch, Erich Fried etc.. Bei ihnen steht die negative Poesie der Bäume in bezug zu gesellschaftlichen Problemen im Vordergrund. Die dritte Gruppe befaßt sich auch mit dem Thema Bäume in der Poesie, aber hier wird diese Diskussion als Möglichkeit einer sehr direkten Erörterung gesellschaftlicher Zustände gesehen. Hier läßt sich ein Komplex von Gedichten herauskristallisieren, in denen der Wahnsinn des alltäglichen politisch - wissenschaft lichen Eingriffs in die Natur durch Zivilisation der Industrie gesellschaften noch gar nicht mal kritisiert sondern zunächst nur erfaßt und registriert wird. Als zentrale Motive werden hier die Bäume als Ursymbol für Sc hutz, Leben und Lebensfreude, das Wasser als Ursprungselement allen Lebens sowie die Tiere als Zeichen für dasUnbehagen, das ein zivilisatorisches Verhalten auf Kosten anderer Formen von Leben auslöst, genannt. Die Autoren: Jürgen Theobaldy, Jürgen Becker etc.. Die hier genann ten Gedichte gelten dem Umweltbereich und der Bestandsaufnahme "kaputte Natur" des ka pitalistischen Westens. Der desolate Zustand der Umwelt ist zwar auch in der DDR nicht zu leugnen, aber einen Angriff auf den technischen Fortschritt und dessen Folgen kann die DDR nicht dulden. Die Natur wurde im "realen Sozialismus" stets n ur unter der Perspektive der ökonomischen Nützlichkeit gesehen: als ein Terrain der bloßen Ausbeutung mit allen zers törerischen Folgen.