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BNELIT - Datenbank zu Bildung für nachhaltige Entwicklung: wissenschaftliche Literatur und Materialien
Bildung für nachhaltige Entwicklung: wiss. Literatur und Materialien (BNELIT)
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1. Aufsatz in Zeitschrift
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Verfasser/-in:
 
Hauptsachtitel:
Natur und Bildung.
Untertitel/Zusätze:
Gedanken zum schulischen Umgang mit Naturfragen.
Zeitschriftenausgabe (-> Ref.Nr):
Zeitschrift/Zeitung:
Die Grundschulzeitschrift
Z-Jahrgang:
6
Z-Heftnummer/-bez.:
53
Themenschwerpunkt:
Stöbern, Stutzen, Staunen. Umwelt wahrnehmen und begreifen.
Erscheinungsjahr:
Seite (von-bis):
9-13
Kurzinfo:
Der Beitrag von Rudolf Messner und Horst Rumpf geht einer ebenso einfachen wie komplexen Frage nach: Was bedeutet es, gegenüber dem, was wir Natur nennen, als Lernende, Wahrnehmende, Handelnde, Lehrende sich zu bilden oder gar gebildet zu sein? Und dies in einer Situation, in der als Folgeerscheinung unserer Lebenspraxis nach allgemeiner Einschätzung die natürlichen Lebensgrundlagen ernsthaft bedroht sind?

In diesem Zusammenhang stellen sie zunächst vier idealtypische Arten von "Naturwissenschaften" vor:

1. Das mimetisch-symbolische Wissen - Niederschlag der physiognomisch-antlitzhaft erfahrenen Natur.
Hierunter versteht man, die Fähigkeit Naturdinge nicht als tote Objekte, sondern als eine Art antlitzhaftes Gegenüber zu erleben (Z. B. Sonne mit Gesicht).

2. Das lebenspraktische Umgangswissen - das vernünftige Weltwissen.
Hierunter versteht man das Wissen über den praktischen Umgang mit den Dingen und Lebensformen der Natur. Dazu gehören z. B.: - das Wissen um Krankheiten und Heilungsprozesse,
- das Wissen um Tierhaltung und Landbau,
- das Handwerkerwissen,
- das Alltagswissen um Ernährung und Kleidung,...

3. Das Wissen der modernen Naturwissenschaften
Dieses Wissen sucht eine Verläßlichkeit und eine intersubjektive Überprüfbarkeit, die sich mit der Leistung menschlicher Sinnesorgane allein nicht mehr zufriedengeben kann.

4. Das verstehende Wissen
Dieses Wissen - auch hermeneutisches Wissen genannt - interpretiert Naturdinge und -vorgänge in ihrem Zusammenhangs mit menschlichen Bewußtseins- und Sinnwirklichkeiten.

Hieraus formulieren die beiden Autoren fünf Ansprüche, die die Bildung erfüllen sollte:
1. Pluralität
2. Lebensnähe,
3. keine hermetische Abgrenzung von anderen Wissensformen,
4. Aktualität und Problembezogenheit,
5. Schüler sollen selbst handeln und initiatv werden.

Diese Ansprüche werden gestellt
- an die Schulen,
- an den Unterricht und
- an die sich daraus ergebenen didaktischen Konzeptionen.

Aber schon allein die heutige Schulform, der übliche 45-Minuten-Fachstunden-Wechsel, ermöglicht kaum ein "einigermaßen brisantes Zusammendenken und -führen der genannten Naturzugänge". Vielmehr ist es eine "einförmige verbal-kognitive Lernkultur". Die Autoren sprechen hier von "einer Verfachlichung, einer Vereinzelung und von einer Verschulung des lernens in der schulischen Normalpraxis".
Leider kann die Schule nicht allen Ansprüchen gerecht werden. Schon allein der 45-Minuten-Fachstunden-Wechsel macht eine fächerübergreifende Bildung nicht möglich. Und dort, wo versucht wird sich "vom Korsett des gleichschrittigen Vorgehens in Lektionen und Fachstunden" zu befreien, ist es allzuoft "ein Nebeneinander von relativ isolierten Einzelbeschäftigungen".

Geht man nun von der fächerübergreifenden Forderung hin zum einzelnen Unterricht, scheitert hier der Anspruch "andere Zugangs- und Erlebnisformen zur und von Natur sowie lebensweltliche und anwendungsethische, gar philosophische und gesellschaftsbezogene Betrachtungsweisen einzubeziehen" daran, daß der Unterricht von LehrerInnen mit vorwiegend fachwissenschaftlicher Sozialisation erteilt wird. Sprich, sie sind nicht kompetent genug. Dies erfordert eine Umorientierung an der universitären Ausbildung.

Dazu bedarf es aber einer neuen umfassenden didaktisch-curricularen Programmatik. Hierzu haben sich bereits Klafki (1985) und Klemm/Rolff/Tillmann (1985) Gedanken gemacht. "Klafki hat als Programm einer Allgemeinen "'Schlüsselprobleme' unserer Gegenwart und der vor uns liegenden Zukunft" formuliert, die im Bildungsprozeß in immer wieder zu erneuernder Bemühung exemplarisch zu durchdringen sind. Die Arbeitsgruppe "Bildung für das Jahr 2000" hat ihren erneuerten Bildungsbegriff durch die "fünf Merkmale der Orientierung an Gestaltbarkeit, Sinnlichkeit, Ganzheitlichkeit und Solidarität bestimmt."

Ziel aller Bemühungen sollte nun sein, den Bildungsauftrag der Schule und ihre vorfindliche Praxis der Naturvermittlung neu zu bedenken.